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Bruchlandung in Tegel

F… F…, verdammt, wie hieß noch mal die Partei mit dem „F“?
     Ach, egal! Jedenfalls legt die Partei um Sebastian Czaja gerade eine Bruchlandung hin, zumindest sieht es ganz danach aus. Denn der Berliner Politiker setzt momentan alles daran, den uralten Berliner Flughafen Tegel in Betrieb zu halten, und zwar auch nach einer hypothetischen Eröffnung des neuen BER in Schönefeld. So hat er zum Beispiel eine Volksabstimmung in die Wege geleitet, um demnächst die Berliner über das Schicksal Tegels abstimmen zu lassen. Interessanterweise haben alle, die sich gerade um das Thema zoffen, anscheinend total vergessen, dass es bereits eine Volksabstimmung gab, nämlich um das Jahr 2007 herum oder noch früher, zusammen mit einer anderen Wahl. Und damals hatten sich die Berliner gegen Tegel und für Schönefeld entschieden. Stimmen wir nun also so lange ab, bis uns das Ergebnis gefällt?
     Außerdem hat Berlins Bürgermeister Müller bereits angekündigt, das neue Abstimmungsergebnis zu ignorieren, da aus verschiedenen juristischen Gründen der Weiterbetrieb von Tegel höchst umstritten ist.
     Gestern nun hat der Flughafenchef, der selbst für eine Schließung plädiert, zu einem Pressetermin geladen und die Journalisten durch den Flughafen geführt, mit dem Ergebnis: Das Ding ist nur noch ein Schrotthaufen, die Grundsanierung würde eine Milliarde Euro kosten. Welch cleverer Schachzug!
     Liebe F… F…
     Liebe Fluggäste! Bitte machen Sie sich bereit, die Bruchlandung steht unmittelbar bevor!

Wenn radikale Fundamentalisten ein Leben zerstören

Na, Ihr süßen Büromäuse von PETA? Herzlichen Glückwunsch! Da habt Ihr’s dem Fotografen ja so richtig gegeben! Seid Ihr jetzt stolz auf Euch? Ich meine, wen interessiert schon, dass Ihr sein Leben und seinen Job zerstört habt? Hauptsache, der Affe kommt zu seinem Recht! Nicht, dass es ihn besonders gejuckt hätte, ob ein Fotograf, der vermutlich finanziell auch so schon kaum über die Runden kam, ein bisschen Geld mit seinem Selfie macht. Der Affe wäre bestimmt auch weiterhin klargekommen. Nur der Fotograf leider nicht. Aber wen interessiert der schon? Ist ja schließlich kein süßes, schützenswertes Kuscheltier.
     Diese dämliche Aktion wird Euch hoffentlich viele Spendengelder kosten! Wenn Ihr auch nur einen Funken Anstand im Leib habt, dann setzt Ihr Euch mit dem Mann in Verbindung und ersetzt ihm den entstandenen Schaden.
     Nebenbei noch eine Frage: Von was habt Ihr eigentlich Eure Gerichtskosten bezahlt? Doch nicht etwa aus Spendengeldern, oder?

Und wieder mal die DHL …

Die nette Amazon-Beraterin fragte noch: „Wollen Sie das Paket mit DHL oder Hermes zurückschicken?“ Und ich Blödmann antwortete: „Ist mir egal!“ Was zum Teufel hatte mich denn da geritten?
     Ich also heute in das nahegelegene Einkaufszentrum gelatscht, zum Tabakstand: „Nehmen Sie auch DHL-Pakete an oder nur Hermes?“ – „Nur Hermes. Aber versuchen Sie’s mal umme Ecke, da ist eine Paketstation.“
     Super Idee! Ich also umme Ecke, das Display des Automaten fragte: „Abholen oder Abgeben?“ Ich klicke auf Letzteres. „Bitte halten Sie den Strichcode an das Lesegerät.“ Ich halte. Ich sehe, der rote Laser streichelt liebevoll über den Strichcode. Aber der Automat ignoriert die Liebkosung vollkommen. Keine Reaktion. Keine Fehlermeldung. Nichts.
     Also auch das können sie nicht. Aber was hatte ich erwartet, von diesem Scheißunternehmen.

Liebe Autonome, …

… liebe Linke, liebe SPD, liebe Tschekisten, liebe Maoisten und liebe sonstige Angehörige des linken Spektrums.
     Der G20-Gipfel ist nun vorüber, drei lange Tage liegen hinter uns. Zeit, Resümee zu ziehen.
     Seid Ihr zufrieden? Hab Ihr erreicht, was Ihr Euch vorgenommen hattet? Ja? Sicher? Ich befürchte nämlich, Ihr habt Euch gemeinschaftlich selbst ins Knie geschossen. Ihr wisst es nur noch nicht. Aber ich weiß es.
     Schaltet doch kurz mal die klumpige, graue Masse, die Ihr dort oben in dem Hohlkörper zwischen den Ohren mit Euch herumschleppt, für eine Moment ein. Habt Ihr Euch je gefragt, wieso der G20-Gipfel dieses Jahr in Deutschland stattfand? Und dann noch ausgerechnet in Hamburg, einer Hochburg der autonomen Linken? Warum nicht in einem der anderen 19 G-Staaten?
     Spielt Ihr Schach? Falls nicht, hier ein kurzgefasster Überblick: Es gibt ein schwarz-weiß-kariertes Spielfeld mit 64 Feldern, darauf stehen sich zwei Armeen gegenüber, bestehend aus verschiedenen Figuren, die unterschiedliche Bewegungen ausführen dürfen. Allerdings reicht es nicht, zu wissen, wie die einzelnen Figuren bewegt werden dürfen. Wenn man gewinnen will, muss man vor allem Strategie und Taktik erlernen, um herauszufinden, was der Gegner vor hat, und zwar möglichst viele Züge im Voraus.
     In der Politik gibt es Institute und Organisationen, die sich ausschließlich mit solchen Themen beschäftigen, Voraussagen erstellen und detaillierte Pläne entwerfen. Wäre es möglich, dass es einen geheimen Grund gab, den Gipfel dieses Jahr in Deutschland abzuhalten?
     Aber nein, nicht doch, oder? Das wären ja Verschwörungstheorien!
     Sehen wir uns mal die Details an: Es ist Wahljahr. In rund zwei Monaten treten die Parteien zur Bundestagswahl an. Zur Zeit regieren Konservative zusammen mit der SPD in einer großen Koalition, was die Konservativen aber nicht so mögen, weil die SPD immer mal wieder querschießt. CDU und CSU wollen natürlich lieber alleine regieren. Also wie zum Teufel bekommt man die Sozen weg vom goldenen Futtertrog, und wie gewinnt man mehr Stimmen, um alleine regieren zu können?
     Ganz einfach: Durch einen „Putsch“ von links. Man muss nur einen Honigtopf aufstellen, so groß, dass er nicht mehr als Falle zu erkennen ist, und dann lässt man das gesamte linke Spektrum hineintappen.
     Erster Zug, weiß: Die bei den Linken verhassten Vertreter des entfesselten globalen Kapitalismus werden eingeladen, um am brenzligsten Punkt überhaupt, in der Nähe des Hamburger Schanzenviertels, eine Veranstaltung abzuhalten. Welch hinterlistige Provokation!
     Erster Zug, schwarz (wie passend zum schwarzen Block!): Reflexhaft und ohne nachzudenken werden Gegendemonstrationen angemeldet und durchgeführt.
     Zweiter Zug, weiß: Die Polizei weist entsprechend geltendem Gesetz auf das Vermummungsverbot hin.
     Zweiter Zug, schwarz: Wie nicht anders zu erwarten und wie vermutlich von den globalen Planungsstrategen des konservativen Establishments voraus­berechnet, weigern sich die Mitglieder des schwarzen Blocks, ihre Masken abzulegen.
     Dritter Zug, weiß: Die Polizei setzt sich mittels Eingreifen durch.
     Dritter Zug, schwarz: Den Radikalen brennen die Sicherungen durch. Es wird demoliert, gebrandschatzt und Gewalt gegen Polizisten ausgeübt. Die Gegenseite muss nur noch die Kamera draufhalten und die Bilder im Internet und den Medien verbreiten. Mit etwas Glück strecken die etablierten Medien die Berichte zu dem Thema noch über ein paar Wochen oder buddeln sie kurz vor den Wahlen wieder aus.
     Vierter Zug, weiß: Die Polizei tut, was sie tun muss.
     Vierter Zug, schwarz, der dümmste Zug überhaupt: Verschiedene Vertreter der linken Szene plappern sichum Kopfund Kragen. Sie entlarven sich selbst als rücksichtlose, egoistische, vollkommen weltfremde Spießer.
     Die Mächtigen dieser Welt stellten eine gut getarnte Falle auf, und das gesamte linke Spektrum von SPD (auch wenn sie kaum noch linke Ideen vertritt) bis Mao Tse Tung latschte voll hinein! Diese drei Tage werden Euch am 24. September tausende von Wählerstimmen kosten. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!
     Schach matt in vier Zügen.

Lesung: Kuschel und die Sommerferien, Teil 3

Am nächsten Tag holt sich Kuschel im orts­an­sässigen Lebens­mittel­laden eine zuvor bestellte Wundertüte ab. Doch die ist anders als gewohnt. Überdeckt mit chinesischen Schriftzeichen und einem Warnaufkleber versehen, enthält sie eine merk­würdige Uhr sowie einen großen Papierbogen. Als das Mädchen zögerlich den Knopf der Uhr betätigt, wird sie in ein spektakuläres Abenteuer katapultiert, dass selbst den meisten Erwachsenen wohl Angstschauer über den Rücken treiben würde:

Ein lauter, schwerer, tief grollender Knall breitete sich aus, wie nach der Explosion eines Sterns. Blitzartig umgab die drei schwärzeste Nacht, dann wieder hüllte sie das taumelnde Universum ein, Milliarden Sonnen, bunte Nebel und gleißende Lichter. Es war schwer zu sagen, wie lange es dauerte, denn obwohl es schien wie ein Wimpernschlag, fühlte es sich dennoch an wie die Ewigkeit von Jahrmillionen. Starr vor Entsetzen betrachteten sie das um sie herum tobende Chaos, all das Entstehen inmitten der Vernichtung. So rasch, wie der Spuk erschien, verschwand er auch.

Dies passiert mehrere Male, während Kuschel und ihr Begleiter Harras, ein Schäferhund, mühsam versuchen, zu begreifen, was denn überhaupt vor sich geht. Doch allmählich dämmert ihnen, was sie da mit der merkwürdigen Uhr in der Hand halten:

„Nanu? Eben noch wüste Wüste und jetzt ist alles grün?“ Harras erhob sich und wurde etwas hippelig. „Ich glaube, ich muss mal!“ Eilig rannte er zu einem kleinen Busch und hob das Bein. Er war noch nicht ganz fertig, da fielen plötzlich alle Blätter zu Boden. „Oh, Verzeihung, ich wusste nicht, dass du so empfindlich bist“, entschuldigte er sich bei dem Busch und lief wieder zum Landeplatz zurück.
     Kuschel war inzwischen auch aufgestanden und schritt um den Papierbogen herum, während sie konzentriert auf die Uhr starrte. „Das ist ja seltsam“, bemerkte sie ratlos, „der Zeiger, der sich vorhin wie verrückt aufgeführt hat, zeigt immer auf das Papier.“ Sie lief ein paar Meter weiter weg, um ihre These zu überprüfen und vollführte schließlich einige Freudensprünge. „Ja, ich habe recht, das Ding ist gleichzeitig ein Kompass! Er zeigt immer dorthin, wo der Papierbogen liegt. Wie interessant! Wir können also ein wenig die Gegend erkunden und finden problemlos wieder zurück.“
     Teddy schaute aus dem Kragen heraus: „Ich finde das sehr riskant, wir wissen doch gar nicht, wo wir sind.“ – „Genau das wollen wir ja herausfinden!“ erklärte Kuschel. „Kommt, wir laufen mal ein Stück. Aua!“ Das Mädchen patschte sich mit der Hand auf den Oberschenkel und hinterließ einen handtellergroßen, grün-braunen Flatschen. Erschrocken rief sie: „Iiihhh, habt ihr das gesehen? Eine Mücke, so groß wir eine Maus! Die wollte mich stechen!“ Eine zweite Mücke setzte sich auf ihren Arm, dann eine dritte und eine vierte. Auch Harras war plötzlich umschwärmt von riesigen, furchtbar durstigen Insekten. „Los, schnell zum Wasser!“ rief Kuschel und rannte davon, mit den Armen heftig um sich schlagend. Direkt am Ufer frischte der Wind etwas auf und vertrieb das Ungeziefer.
     „Verdammt, habt ihr schon mal so große Insekten gesehen?“ Auch Harras wirkte ziemlich ratlos. „Die Biester sind mir auch neu. Die waren ganz schön gierig! Aber gestochen haben sie nicht, oder?“ – „Nein, dazu waren sie nicht flink genug. Merkwürdig, als ob sie es noch lernen müssten. Hat einer ‘ne Ahnung, wo wir sind?“ Das Mädchen sah sich um. „Das Grünzeug dort hinten sieht nach Farnen aus, so wie man sie auch aus unseren Wäldern kennt, nur viel größer. Ansonsten überall nur Nadelbäume. Eine merkwürdige Vegetation. Wie aus einem Lehrbuch für …“ Plötzlich griff sie sich an den Kopf. „Ich glaube, ich weiß jetzt, wo wir sind! Wartet mal …“ Sie ging ein paar Schritte ins Wasser hinein und suchte den Meeresgrund ab. „Tatsächlich, hier sind ganz viele Muscheln und Schnecken, aber auch viel größer also sonst. Los, zurück zum Papierbogen!“
     Sie hetzten zum Waldrand und hüpften auf das silbrige Quadrat. Bevor die Mücken erkannt hatten, welche Delikatesse sich ihnen da erneut bot, krachte es und die plötzlich aufgetauchten Kreaturen verschwanden in einem gleißenden, runden Intergalakt-Unilapidem-Temporal-Plasmablitz, der eine sich kugelförmig ausbreitende Qualmwolke erzeugte. Kuschel hatte den Knopf erneut dreimal gedrückt.
     Nach wenigen Augenblicken hatte sich der Qualm verzogen, und sie kamen auf einem kleinen Hügel zu sich. „Ganz schön neblig hier!“ fand Kuschel. „Riecht nach Schwefel!“ sagte Harras. „Riecht nach Krokodil!“ bemerkte Teddy. „Krokodil? Wie kommste denn auf so was?“ Kuschel verzog spöttisch die Lippen. „Krokodile leben im Wasser, und hier ist weit und breit kein einziger Tropfen zu sehen!“ – „Vielleicht fühlt es sich deswegen so nach Erdbeben an. Spürt ihr nicht dieses leichte Heben und Senken?“ warnte Harras. „Hä? Ich merk‘ nix!“ Kuschel legte die Hand auf den Boden. „Fühlt sich an wie Leder. Irgendwie schuppig. Und äh … ich glaube, jetzt spüre ich‘s auch.“ Sie klatschte ein paar mal mit der Hand auf den Boden. Der Boden klopfte zurück. Er vibrierte kurz, dann erhob er sich ächzend, während die drei Besucher herunter­purzelten und im Sand auf die Beine fielen. Der Hügel drehte sich um und schaute sie an. Und sie schauten zurück. Betrachteten jeden Teil seines Körpers, die zwei kräftigen Beine, dick wie Baumstämme, die kurzen Stummelarme, den langen Schwanz, vor allem aber den massigen Kopf, fast so groß wie ein Kleinwagen und mit Dutzenden bananengroßen Zähnen gespickt.
     „Ist das ein T-Rex?“ fragte Harras. „Ja, das ist ein T-Rex!“ bestätigte Kuschel. „Was ist denn ein T-Rex?“ fragte Teddy. „Ein gefährlicher Dinosaurier. Etwas zum Davonlaufen!“ antwortete Kuschel. „Lauft!“ schrie Teddy.

Fortsetzung … in meinem Buch!

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Lesung: Kuschel und die Sommerferien, Teil 2

Kuschel unternimmt mit ihren Großeltern einen Tagesausflug auf eine Insel und streunert dort ein wenig durch die Gegend, bis sie am Strand plötzlich einen echt ulkigen Typen entdeckt:

In der Tat wirkte der seltsame Mann wie ein bizarres Wesen aus einer anderen Welt. Er sah weniger aus wie ein Mensch, sondern eher wie eine Mischung aus Affe und Bär, kräftig gebaut und dem Anschein nach über zwei Meter groß. Und er hatte sehr helle, fast weiße Haut. Als er bemerkte, dass er beobachtet wurde, machte er ein grimmiges Gesicht und versuchte, sich unter einer viel zu kleinen, baby­blauen Decke zu verstecken, weshalb die Beine am unteren Ende herausschauten. Allein die Füße waren riesig! Es konnte unmöglich in einem handelsüblichen Schuh­geschäft passende Schuhe für ihn geben. Kuschel fand dieses Versteckspiel merkwürdig und schickte sich an, der Sache auf den Grund zu gehen.
     Nach ein paar Minuten fand der Mann, es sei an der Zeit, die Decke zu lüften, um nachzusehen, ob die Luft rein ist und zog sie langsam von seinem Gesicht. Offenbar erschreckte ihn die Tatsache, das neugierige Mädchen mit dem Teddy nun direkt vor sich zu erblicken, denn ein kurzes Zucken ging durch seinen massigen Körper. Geblendet von der Sonne blinzelte er sie verstört an und zischelte barsch: „Was ist denn?“

     Kuschel kniff nachdenklich die Augen zusammen: „Sie sehen total ulkig aus.“ Der Mann reagierte verunsichert: „Ja … und?“ – „Ich glaube, ich habe Sie schon mal irgendwo gesehen.“ Bestürzt musterte er die Umgebung, und als er sicher war, von niemandem belauscht zu werden, flüsterte er nachdrücklich: „Pssst! Nicht so laut! Du lenkst sonst noch die Aufmerksamkeit der anderen auf uns!“
     Jetzt schaute sich auch Kuschel nach allen Seiten um. „Und was bitte wäre daran so schlimm?“ – „Es soll niemand wissen, dass ich hier bin. Sonst kommen wieder alle angelaufen und wollen Fotos machen, Autogramme haben und so.“ Kuschel legte nachdenklich den Finger auf die Nase. „Also kenne ich Sie doch von irgendwoher.“ Der Mann versuchte, sie mit heftigem Herumfuchteln seiner Hände zu verscheuchen: „Nein, tust du nicht, und jetzt hau ab!“ fluchte er unterdrückt. Beleidigt von so viel Zurückweisung wollte Kuschel fast schon nachgeben, aber Teddy hatte den entscheidenden Tipp: „Ich weiß es“, flüsterte er, „stell ihn dir mal mit dickem, weißem Fell vor.“
     Kuschel analysierte den Mann mit bohrendem Blick aufmerksam von oben bis unten, während der einen zunehmend besorgteren Eindruck machte. Plötzlich überkam sie die Erkenntnis wie ein Frosch, der einem unerwartet in den Nacken springt: „Jetzt weiß ich! Sie sind ein Yeti! Ein echter Schneemensch!“ Sie fing an, ausgelassen um den Strandkorb des ulkigen Wesens herumzuhopsen: „Ein Yeti, ein Yeti …“
     „Sssccchhht! Hör auf damit, bevor uns jemand bemerkt!“ mahnte der Yeti eindringlich. Erneut sah er sich vorsichtig um, doch niemand nahm Notiz von ihnen. Alle waren mit sich selbst beschäftigt oder mit ihren Handys, lagen apathisch in der Sonne oder planschten im Wasser.
     Kuschel beendete die Hopserei und fragte neugierig: „Wo ist denn Ihr Fell? Auf Bildern haben Yetis doch immer ein weißes Fell? Oder haben Sie sich nur rasiert?“ – „Es gibt keine Bilder von Yetis, das sind alles nur Fälschungen!“ herrschte der Yeti sie an. „Und nein, wir haben kein Fell, wir tragen weiße Pelz­mäntel! In den Bergen des Himalaya, wo wir herkommen, ist es das ganze Jahr über kalt.“ – „Sie haben kein Fell?“ wunderte sich Kuschel. „Nein, wir sind Nacktaffen. Oder besser – Nackt­affenbären. Wir leben hoch oben im schneebedeckten Teil der Berge, wo sonst kein anderes Lebewesen hinkommt. Dort fangen wir Schneeflocken ein und stricken uns Pelz­mäntel daraus.“
     Kuschel nickte anerkennend. „Cool! Pelzmäntel aus Schnee. Darf ich Ihren mal sehen?“ – „Natürlich nicht, er schmilzt in warmen Regionen. Hier ist es momentan ziemlich warm. Er kann sich nur in kalten Gegenden erhalten.“ – „Und warum sind Sie hier?“ Der Yeti schaute nun sehr vorwurfsvoll: „Na, warum wohl? Aus demselben Grund, aus dem du hier bist – um Urlaub zu machen. Du willst ja auch nicht gern das ganze Jahr in frostiger Kälte verbringen, oder? Weißt du eigentlich, wie kalt es da oben in den Bergen ist?“ Bei dem Gedanken an Kälte lief Kuschel sofort ein Schauer über den Rücken. „Kann ich mir vorstellen, ich mag auch keinen Winter. Wenn Sie einen Mantel aus Schneeflocken tragen, frieren Sie da nicht noch mehr?“ – „Überhaupt nicht! Mikrowelleninduzierte hyper­aktive Ionen­neutronen­kernspin­umkehr­solar-Technologie. Kompliziertes Thema! Verstehst du sowieso nicht!“ ranzte der Yeti das Mädchen an. Kuschel nickte betrübt. „Na, siehst du! Und jetzt hau ab, ich möchte ungestört sein.“ Er setzte sich eine verspiegelte Sonnenbrille auf die Nase und schaffte so Distanz zu all den schrecklichen Menschen um sich herum. Besonders aber zu dem frechen, aufdringlichen Mädchen mit dem Teddy.
     „Okee.“ Geknickt watschelte Kuschel davon. Sie hätte gern weiter mit dem Yeti geplaudert, aber wenn er sich nicht unter­halten wollte – Pech gehabt! Und überhaupt: Er hatte doch Pech gehabt! Da kletterte er einmal im Leben von seinem verschneiten Berg herunter, traf auf den Kuschel seines Lebens und vergrämte ihn dann so mir nichts, dir nichts. Püh! Als wenn sie es nötig hätte, sich mit einem Nacktaffenbären zu unterhalten. Der dazu noch völlig unbekleidet war! Ich meine, wo sind wir denn hier?
     „Wo sind wir denn hier?“ Kuschel war grübelnd den Strand entlanggelaufen und hatte irgendwie die Orientierung verloren.

Fortsetzung folgt …

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Lesung: Kuschel und die Sommerferien, Teil 1

Wie bereits angekündigt, werfen wir heute mal einen Blick in mein neues Buch „Kuschel und die Sommerferien“. Kuschel, ein etwa neun- … oder zehn- … oder vielleicht auch zwölfjähriges Mädchen, so genau weiß das niemand, besucht seine Großeltern an der Ostsee, verbringt dort eine ganze Ferienwoche und erlebt jeden Tag ein neues Abenteuer. Gegen Mittag liefern ihre Eltern sie bei Oma und Opa ab, die sie als erstes mit Mittagessen versorgen. Bis dahin läuft der Tag noch in seinen gewohnten Bahnen. Doch kurz darauf beginnt Kuschels Umgebung, sich irgendwie zu verändern, sie wird lebendig. Alles beginnt mit Blech:

Sie erhoben sich, Oma räumte das benutzte Geschirr zusammen und trug es hinüber zur Spüle. Dabei kippelte die Coladose, fiel vom Tablett, kullerte auf dem gemusterten Küchenboden herum und kam schließlich direkt vor Kuschels Füßen zum Stillstand. Das Mädchen kicherte übermütig, holte aus und schoss die Dose mit einem kräftigen Fußtritt durch die offen­stehende Tür. Opa ermahnte sie gutmütig: „Nicht doch, Kleines, so darf man nicht mit Dingen umgehen.“ Kuschel war verunsichert: „Aber … das ist doch nur ‘ne Dose!“ – „Nicht nur Lebe­wesen wollen gut behandelt werden, Schatz, auch Dinge haben eine Seele. Alles, was dich umgibt, steckt voller Leben. Wenn du dir ein wenig Mühe gibst und sensibel genug bist, wirst du das schnell entdecken. Jetzt geh, du Schlingel, hol die Dose zurück!“ Kuschel grummelte mürrisch: „Naaa guuut!“ und lief barfuß hinaus. Sie rannte über den Rasen, durchsuchte die Büsche, flitzte um die Obstbäume herum, konnte die Dose aber nirgends entdecken. Also schlüpfte sie durch das Gartentor und krabbelte auf der anderen Seite zwischen dichtem Gestrüpp umher, leider wieder ohne Erfolg. Nanu? Wo konnte sie nur sein? „Ach, was soll‘s!“ Kuschel ließ die Sucherei bleiben und stand auf, mit den Händen den Staub von den Hosen­beinen abklopfend. „Ich will jetzt den Strand sehen!“
     Sie folgte dem sandigen Weg. Er führte sie erst ein Stück geradeaus bis zu den Hühnerställen, verlief dann leicht abschüssig und knickte schließlich nach rechts ab. Die Zäune neben den Ställen waren schmutzig, es klebten eine Menge weiße Federn und Unrat daran. Der unangenehme Geruch raubte Kuschel den Atem. „Igitt, hier stinkt es ja gewaltig!“ Um diesen unangenehmen Ort schneller hinter sich zu lassen, zog sie das Tempo etwas an. Erst unten, beim Schilf, wurde es besser. Dort sorgte die Brise für einen frischen Duft nach Sonne, Sand, Seetang und Meer.
     Kuschel suchte nach dem geheimen Pfad im Schilf, der nur Einheimischen bekannt war. Sie fand ihn, lief zwischen den Halmen entlang und versuchte, durch hektisches Herum­wedeln mit den Armen, sich nicht von den vielen, gierigen Mücken stechen zu lassen, die zwischen den Blättern versteckt auf leckere Opfer warteten.
     Endlich, der sumpfige Morast wurde trockener und mündete in einem weißen Sandstrand. Über ihm der riesige, blaue Himmel und vereinzelt ein paar Möwen. Das Mädchen schaute ihnen gut gelaunt hinterher, als es plötzlich einen schmerz­haften Biss im linken Fuß verspürte.
     „Autsch! Aua, aua, aua …“ Kuschel sprang mit wehleidigem Gesicht auf einem Bein im Kreis und hielt sich den schmerzenden Fuß. Sie war in eine leere Blechdose getreten, und die hatte sich halb um den Fuß herumgefaltet. „Verdammt!“ Mit den Händen bog sie die Dose auseinander, bis sie sich entfernen ließ und warf sie wütend weit von sich. Grimmig dreinblickend humpelte Kuschel in Richtung Wasser. Schon nach wenigen Metern vernahm sie eine vorwurfsvolle Stimme: „Warum bist du so gemein zu mir?“
     Erschrocken hielt sie inne und flüsterte zaghaft: „Wer spricht denn da?“ – „Na, wer wohl. Ich natürlich … die Dose!“ Kuschel fragte staunend: „Die Dose kann sprechen?“ – „Jaaajaaa … die Dose kann sprechen!“ äffte die Dose im selben Tonfall nach. „Ja … aber … wieso?“ – „Wieso nicht?“ fragte die Dose zurück. „Aber du bist doch nur ‘ne Dose!“ – „Och … na schönen Dank auch!“ schimpfte die Dose. „Danke, dass du mir gezeigt hast, wo mein Platz in der Welt ist! Es ist doch immer schön zu wissen, wo man hingehört! Nur ‘ne Dose!“ meckerte die Dose mit rostiger Stimme.
     Das Mädchen stand noch immer da wie versteinert und starrte das zerknitterte Stück Blech an. Die Dose starrte verärgert zurück und blaffte: „Was guckst du denn so? Als wenn es nicht schon schlimm genug wäre, dass du mich misshandelt hast, stehst du jetzt auch noch gaffend herum und ergötzt dich an meinem traurigen Anblick. Sieh nur, was du angerichtet hast!“ Betrübt schaute sie an sich herunter, bemühte sich verzweifelt, die vielen Falten in ihrem Blechkleid zu glätten, was ihr aber nicht besonders gut gelang. „Ich war mal knitterfrei und glänzend, mit einem bunten Kleid, voller Hoffnung und Cola … bis ich dir vor die Füße geriet. Von da an ging es bergab.“
     Allmählich aus ihrer Erstarrung gelöst, fragte Kuschel: „Ja eben, wie bist du überhaupt bis hierher gekommen? Ich hatte dich doch nur durch die Tür geschossen!“ – „Oh ja, und das war nicht gerade sehr freundlich! Mir tut jetzt noch mein blecherner Hintern weh! Aber dass du auch noch mal nachtrittst, hier am Strand, das hätte ich nicht erwartet. Erst flog ich einem großen Hund vor die Pfoten, der schnappte sofort mit seinen spitzen Zähnen nach mir, sabberte mich dabei von oben bis unten voll und verschleppte mich hierher.“ Kuschel versuchte, die Dose aufzuheitern: „Das war doch sehr nett von dem Hund, hier am Strand ist es sehr schön!“ – „Ja, für dich vielleicht! Auf mich wartet hier nur ein langsames Ende. Eigentlich bin ich dazu bestimmt, nach der Benutzung wiederverwendet zu werden. Wenn mein Leben endet, werde ich mit meiner Familie, also den vielen anderen Dosen, wieder zusammengeführt. In großen Fabriken werden neue Dosen aus uns gemacht, oder Gartenstühle, oder Autos. Doch hier am Strand werde ich langsam verrotten. Der Regen, das salzige Meerwasser und die feuchte Luft werden mein glänzendes Kleid allmählich rosten lassen, ich werde mit der Zeit immer löchriger und unansehnlicher werden, irgendwann werde ich zu Staub zerfallen sein. Es wird viele Jahrzehnte dauern, vielleicht auch Jahrhunderte. Es wird langweilig werden und deprimierend.“
     Nun machte auch Kuschel ein betrübtes Gesicht. „Tut mir sehr leid, das wusste ich nicht. Kann ich dir vielleicht irgendwie helfen?“ – „Ja, kannst du. Bring mich bitte in einen Abfall­behälter. Dann kümmert sich die Müllabfuhr um mich und führt mich wieder mit meiner Familie zusammen­.“ – „Okee!“ Kuschel hob die Dose auf und trug sie behutsam zu einem orangefarbenen Behälter, auf dem mit großen Buchstaben geschrieben stand: Recycling. Kaum hatte sie die Dose durch den Schlitz geworfen, erhob sich im Inneren des Behälters kumpelhaftes Gegröle: „Hey, schaut mal Jungs, wer da ist! Das ist ja Cola! Hey, Cola, alter Blecheimer, wie geht‘s dir denn so, erzähl mal! Hast du was Spannendes erlebt?“ – „Hi, Zitrus, du alte Brausetablette, lange nichts von dir gehört!“ Kuschel lauschte neugierig dem heiteren Wiedersehen. Unglaublich, da hat die Dose gleich ein paar alte Freunde wiedergetroffen. Was für ein toller Tag!

Fortsetzung folgt …

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Ungezähmter Autohass

Herr Kirchner, Sie Staatssekretär, Sie

hören Sie endlich auf, die knappen Steuergelder für derartig unsinnige Projekte zu verschwenden! Die Situation in der Frankfurter Allee ist vielleicht stellenweise nicht optimal, aber es gibt dort alles, was für einen reibungslosen Verkehr notwendig ist: Ausreichend Fahrstreifen für Autos, wodurch auch der Lieferverkehr den Fluss nicht übermäßig behindert, Parkplätze für Anwohner, einen vom Autoverkehr räumlich getrennten Radweg, der somit sicherer ist als direkt neben den Fahrstreifen, und einen Gehweg. Ich fahre seit fünf Jahren Auto, seit 45 Jahren Fahrrad, und ich habe mit keinem der dort geschilderten Details ein Problem, weder mit den „nur“ 1,40 Meter breiten Radwegen noch mit den „schmalen“ Fahrstreifen. Der von Ihnen geforderte Umbau verschlechtert die Situation für alle Beteiligten, wird einen jahrelangen Stau nach sich ziehen und Unmengen von Steuergeldern vernichten, die an anderer Stelle viel besser aufgehoben wären. Zum Beispiel hier in der Pankower Talstraße.
     Erinnern Sie sich? Ich wies im August 2013 und im Juni 2016 in zwei Schreiben an das Bezirksamt Pankow auf den desolaten Zustand der Gehwege und das überall vor sich hinwuchernde Unkraut hin. Sie schrieben: „Auf Grund der Haushaltssituation im Land Berlin können Sach- und Personalmittel für die Erfüllung der verschiedenen kommunalen Aufgaben im Bezirk nur noch eingeschränkt bereitgestellt werden. Somit müssen Arbeiten bevorzugt werden, die auf Grund gesetzlicher Verpflichtungen zu gewährleisten sind, wie z. B. die Verkehrssicherheit bzw. die Gefahrenstellenbeseitigung auf Fahrbahnen und Gehwegen, auf öffentlichen Kinderspielplätzen, die Verkehrssicherheit für Straßenbäume und Bäume in den vielen Grünanlagen.“
Mit anderen Worten – es sei kein Geld da. Um so überraschter war ich, als ich im Juni 2015 aus der Berliner Zeitung von ihrem Plan erfuhr, „Begegnungsstätten“ in der Schönhauser Allee einzuführen, ein Plan von Kristian Skovbakke Villadsen. Erstaunlich, dass das Wort eines Dänischen Architekten mehr Gewicht hat, als die Sorgen und Nöte der ortsansässigen Bevölkerung! Auch dort sollte der Autoverkehr verdrängt werden, mit zukünftig nur noch einem Fahrstreifen pro Richtung, weniger Parkplätzen und mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger. Wie kommt es, das für solche Dinge Geld vorhanden ist, obwohl es nicht um Verkehrssicherheit und Gefahrenstellenbeseitigung geht?
     Wer die Schönhauser Allee seit Jahrzehnten kennt, so wie ich, der weiß, dass dort beim großen Umbau nach der Wende alles getan wurde, um allen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden. Perfekt ist die Situation für keinen Verkehrsteilnehmer, weder für Fußgänger noch für Autofahrer, aber das ist auch nicht erforderlich, es muss einfach nur ausreichend funktionieren.
     Inzwischen haben wir 2017, die Gehwege in der Talstraße sind noch immer nicht repariert, an vielen Stellen stehen gefährliche Kanten über, die nicht nur Gehbehinderte und ältere Menschen zu Fall bringen und schwere Verletzungen nach sich ziehen können. Das nördliche Ende der Talstraße verwandelt sich bei Regen noch immer in eine unpassierbare Sumpflandschaft, dort gibt es gar keine Gehwegplatten. Und in den umliegenden Straßen sieht es nicht besser aus. Wieso ist dafür kein Geld da, aber für Frankfurter und Schönhauser Allee?
     Beide Schauplätze und das Konzept der autofreien Straße Unter den Linden zeigen deutlich, dass es Ihnen und Ihrer Partei, den Grünen, offenbar nicht um einen funktionierenden Verkehrsfluss geht, sondern darum, Ihren Hass gegen Autos auszutoben. Am besten noch überall 30er Zonen oder gleich das stadtweite Fahrverbot.
     Bei solchen ideologisch verblendeten Amokläufen dürfen Sie sich nicht wundern, wenn die Grünen in den bundesweiten Umfragen immer weiter abrutschen, bis – irgendwann einmal – hin zur Bedeutungslosigkeit.
Ich freue mich schon auf diesen Moment!

Ohne besonders freundliche Grüße
Sunlion Sonniglöw‘