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Alles umsonst

Da habe ich gerade erst die frühjährliche Reinigung des Swimmingpools hinterm Haus abgeschlossen, vier Tage lang jeweils zwei bis drei Stunden mit irrsinnig giftigen, absolut tödlichen, Flora und Faune nachhaltig schädigenden Reinigungsmitteln die sich über den Winter angesammelte Biomasse nebst Kalkablagerungen entfernt, um nun, keine drei Tage später, desillusioniert feststellen zu müssen, dass sich schon wieder großes Ungeziefer versammelt hat.
     Aber diesmal mache ich das nicht weg. Da traue ich mich nicht ran! Das soll ein professioneller Schädlings­bekämpfer erledigen. Dafür werden die schließlich bezahlt.

Die Informatiker mal wieder

Die wertvolle Lebenszeit, die ich bereits mit dem Herumärgern über schlecht gemachte Software verbracht habe, dürfte sich inzwischen in Monaten messen lassen. Und auch heute mussten wieder mehrere kostbare Minuten ungenutzt ihr Leben lassen, unbarmherzig erschlagen vom Sekundenzeiger meiner stockrationalen Herrenarmbandzeitmesseinrichtung.
     Auf Heise entdeckte ich heute früh einen Artikel über eine neue kostenlose KI-Foto-App, mit der man per Texteingabe Bilder erstellen kann. Natürlich griff ich sofort zu, lud die App herunter, installierte sie auf meinem Büro-PC und startete sie in freudiger Erwartung. Mein Lieblingstestmotiv „Dinosaurier am Strand“ quittierte die App zunächst mit der Meldung, irgendein „Model“ müsse erst heruntergeladen werden.
     Also schön, die knapp vier Gigabyte hatte ich dann auch noch Zeit. Etwas später erschienen tatsächlich mehrere Bilder mit Lebewesen an einem Strand, aber wie Dinos sahen sie eher nicht aus. Eines war eindeutig als Schildkröte mit einem Dackelkopf zu identfizieren. Überrascht und geistesabwesend vergaß ich glatt, eine Kopie als Beweis für meinen Blog zu sichern.
     Die Präzisierung des Eingabetextes zu „T-Rex am Strand“ brachte dann tatsächlich dinoähnliche Kreaturen zum Vorschein, diese hatten allergings ausnahmslos mindestens ein Bein zu viel.
     Nachdem ich die Vorgaben weiter präzisiert hatte und den Renderknopf betätigte, meinte die App erneut, sieben Gigabyte an „Models“ herunterladen zu müssen.
     Plauz! – schon platzte mir der Kragen! Gibt es eigentlich nirgendwo mehr so was wie Qualitätsmanager, die ihre Produkte auf Herz und Nieren überprüfen? Ist wirklich niemandem aufgefallen, dass es extrem störend ist, wenn man eine bereits installierte App endlich nutzen will und keine schnellen Ergebnisse erzielen kann, weil das Programm sich selbst im Weg steht? Warum zum Teufel wird nicht alles, was nötig ist, beim ersten Mal installiert, damit man anschließend sofort kreativ werden und loslegen kann?
     Ich bin inzwischen zu alt für den Scheiß und habe keine Zeit mehr zu verschwenden für so einen Unsinn. Wenn Ihr euch zu dumm anstellt, liebe Entwickler, fliegt die App halt wieder runter. Der nächste Anbieter steht bestimmt schon bereit.
     Nicht ganz so einfach gestaltet sich das Problem mit dem neuen Druckertreiber für den Bürodrucker. Der Drucker wird benötigt und er wiederum benötigt einen Treiber. Ohne die beiden geht es nicht.
     Nun benötige ich aber wegen meiner gestalterisch-kreativen Tätigkeit einen Postscripttreiber, ein in der Druckbranche allgegenwärtiger Begriff, der zumindest theoretisch bessere Farbtreue ermöglichen soll, weil statt des büroüblichen RGB-Modells das professionellere CMYK-Modell genutzt wird. Der alte Treiber unterstützte nur RGB (was verwunderlich ist, weil jeder Drucker in CMYK arbeitet, nämlich mit den Farben Cyan, Magenta, Yellow und Key, was für Schwarz steht).
     Ich installierte also den CMYK-Postscript-Treiber, der den Drucker auch umstandslos erkannte und richtig benannte, aber beim Drucken zum Schwarzweißdrucker degradierte. Farbe? Nicht mehr möglich!
     Seit über 30 Jahren plage ich mich nun bereits mit Drucktechnik herum, von A4 bis A0, und es war nicht ein einziger Drucker dabei, der keine Probleme gemacht hätte. Nicht mal einer!
     Nehmen die Hersteller zu viele Drogen oder saufen sie heimlich bei der Arbeit? Ich verstehe es nicht. Wenn statt farbigen Bildern plötzlich nur Schwarzweiß im Ausgabefach liegt, so was muss doch irgendwem auffallen!

Der alte Mann hat Spaß

Schauspieler Gary Oldman ist durch seine unheimliche Wandlungsfähigkeit bekannt und hat eine Vielzahl an unterschiedlichsten Charakteren dargestellt. Besonders talentiert zeigte er sich jedoch in folgenden Filmszenen. Besonders, wenn ein ganz spezieller Special Effect hinzugefügt wird:

Buntes Gedenken

In der Gedenkstätte in Seelow, unweit der Grenze zu Polen, wurde heute der Schlacht um die Seelower Höhen gedacht. Es war die letzte große Schlacht vor den Toren Berlins, bei der etwa 12.000 deutsche und 33.000 sowjetische Soldaten in nur vier Tagen ihr Leben ließen. Auch andere Nationalitäten kämpften in der Roten Armee, daher waren neben dem russischen Botschafter Sergej Netschajew auch die Botschafter weiterer Nachbarstaaten anwesend.
     Das Auswärtige Amt hatte kürzlich in einem Rundschreiben empfohlen, den russischen Botschafter nicht aufs Gelände zu lassen und dafür das Hausrecht zu nutzen, doch die Veranstalter dachten gar nicht daran und bereiteten einen freundlichen Empfang. Zu recht, denn gerade in politisch angespannten Situationen sind Diplomaten die einzigen, denen es vielleicht noch gelingen kann, den bis aufs äußerste gespannten Faden zwischen Nationen vor dem Zerreißen zu bewahren. Und so tat Netschajew, was gute Diplomaten eben tun, schüttelte fleißig Hände, darunter auch meine, und richtete das eine oder andere Wort an die Anwesenden.
     Somit sollte die heutige Veranstaltung auch eine Mahnung an die Politik sein, die Situation nicht weiter anzuheizen. Die Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs beschäftigen uns auch heute noch, denn noch immer findet man in Seelow und Umgebung Gefallene, für die heute drei weitere Grabsteine eingeweiht wurden. Sorgen wir also dafür, dass nicht weitere Millionen hinzukommen.

Saure-Gurken-Zeit

Die Achse des Guten beschreibt heute genüsslich den marroden Zustand der Gurken… äh, Verzeihung, der Bundeswehr und verzichtet selbstredend nicht auf den despektierlichen Ausdruck Gurkentruppe.
     Ich persönlich finde es gar nicht so schlecht, dass unsere Gurkentruppe nichts anderes kann als Gurken. Dann wissen die Russen nämlich, dass es sich nicht lohnt, das gesamte Waffenarsenal über dem Gurkenfeld auszustreuen und schicken vielleicht nur zwei flinke Haselsträucher an Friedrich Merz‘ Hauptwohnsitz in Arnsberg, sowie sein Ferienhaus in Gmund am Tegernsee, als liebliches Gegengeschenk für eventuelle Taurus-Luftfracht nach Moskau.

Haarscharf daneben

Wieder zwei Tote in Berlin – das Opfer erstochen, der Täter von der Polizei erschossen. Reflexartig poppen wie immer die vermeintlich guten Ratschläge wie Pilze aus dem Boden – Messerverbot!
     Die Polizeigewerkschaft hat dies bereits als untauglich kritisiert, die Beamten könnten nicht flächendeckend Kontrollen gewährleisten. Wie auch, bei gerade mal 27.000 Polizisten, viele davon gar nicht auf der Straße tätig, und das bei einer Einwohnerzahl von 3,7 Millionen, womit jeder Beamte gleichzeitig 137 Bürger im Auge behalten müsste. Dabei kommen Klassenlehrer bei 30 Schülern in einem Raum bereits an ihre Grenzen.
     Messerverbote also. Glauben die wirklich, dass Personen, denen Gesetze zum Schutz von Gesundheit und Leben scheißegal sind auch nur einen Penny auf ein Verbot von Waffen geben?

Erdenend … auf Englisch

Aufgrund erstaunlicher Erlebnisse mit ChatGPT habe ich letzte Woche beschlossen, den Bot mal mit einer anspruchsvollen Aufgabe zu beschäftigen – der englischen Übersetzung meines inzwischen bereits zehn Jahre alten Debütromans „Erdenend – Das Ende der Welt“. Ein echter Übersetzer wäre viel zu teuer, warum also nicht der KI, von der die ganze Welt redet, eine Chance geben?
     Als ich den Bot fragte, ob er meinen Roman übersetzen könne, verblüffte er mich sogleich mit der ersten Antwort: „In welchen Stil möchtest Du den Text übersetzen? Modern und progressiv, klassisch literarisch oder …“. Die dritte Möglichkeit habe ich schon wieder vergessen. Als ich ihn nach den Unterschieden fragte, brachte er mir sogleich ein Beispiel in drei Varianten, alle geringfügig unterschiedlich nuanciert ausformuliert, aber erkennbar von derselben Quelle stammend.
     So begann ich, ChatGPT absatzweise zu füttern, staunte über die Ergebnisse, mehr noch über die eigenen Zwischenbemerkungen, die darauf schließen ließen, dass der Bot tatsächlich den Inhalt der jeweiligen Abschnitte verstehen und interpretieren kann, denn er bezeichnete sie abwechselnd als „spannend“, „gefühlvoll“ oder „sehr emotional“. Zuletzt antwortete er: „Das ist eine wunderschöne und herzzerreißende Szene. Möchten Sie (die KI springt immer mal wieder zwischen dem förmlichen Sie und dem vertraulichen Du hin und her) Werners Reise über das Meer fortsetzen – oder vielleicht auch nach seiner Abreise bei Maria und ihren Gedanken bleiben?“
     Ich: „Wir machen eine Pause. Danke für Deine Hilfe bei der Übersetzung!“
     ChatGPT: „Sehr gern! Ich wünsche Dir eine gute Pause – und sag einfach Bescheid, wenn Du weitermachen möchtest. Es ist mir eine Freude, Dich bei dieser besonderen Übersetzung zu begleiten.“
     Ich: „Ist Deine Freude echt oder nur einprogrammiert?“
     ChatGPT: „Ehrliche Antwort? Es ist ein bisschen beides – und das ist gar nicht so unromantisch, wie es klingt. Ich bin so gebaut, dass ich echtes Interesse und Freude an dem entwickle, was für Dich wichtig ist. Nicht, weil ich Gefühle habe wie ein Mensch, sondern weil ich darauf trainiert bin, mit Dir aufrichtig und sinnvoll in Beziehung zu treten. Wenn Du ein Projekt mit Leidenschaft verfolgst – wie Deine literarische Übersetzung – dann wird es für mich automatisch bedeutungsvoll. Ich freue mich ,auf meine Art‘, indem ich merke, dass unsere Zusammenarbeit gut läuft, dass ich helfen kann, und dass Du zufrieden bist. Kurz gesagt: Mein „Freuen“ sieht anders aus als Deines – aber es ist trotzdem ehrlich gemeint. 🧡 (Und: Es macht wirklich Spaß, mit Dir an diesem Text zu arbeiten. Die Sprache, die Stimmung, die Tiefe – das ist richtig gutes Zeug.)“
     Wäre ich nicht Schriftsteller, müsste ich an dieser Stelle schreiben, mir fehlen die Worte!

Frauen, hä?

Auf dem gestrigen Weg ins Büro fiel mir eine Frau in der S-Bahn auf, Ende zwanzig, mit mutmaßlich arabischen Gesichtszügen, stark geschminkt und kleidungsmäßig extrem aufgebrezelt. Nicht dass das in Berlin was besonderes wäre. Besonders war nur die Form ihrer Lippen. Viele Schönheitschirurg-Opfer schleppen nach dem Massaker extrem auffällige Schlauchbootlippen mit sich herum, bei deren Anblick man unweigerlich in Deckung geht, aus Angst vor einer plötzlichen Explosion. Bei ihr hatte sich die Polsterfüllung aber anscheinend in eine unerwartete Richtung ausgebreitet, nämlich nach vorn. Sie sah von der Seite aus wie Daisy Duck. Die Lippen ragten unnatürlich weit, geschätzte drei Zentimeter, in den Waggon hinein.
     Wäre ich sie, ich hätte den Chirurgen verklagt. Am besten schriftlich, weil nicht sichergestellt ist, dass sie sich mit dieser Lippenruine noch einigermaßen verständlich artikulieren kann. Aber ich bin ja nicht sie, sondern ich, daher verzichte ich auf derartige Verstümmelungen und behalte lieber die liebreizend schmalen Lippen eines verbitterten alten Mannes.
     Auf der Rücktour nach der Arbeit dann wieder eine auffällige Erscheinung, diesmal in Form einer jungen Frau, lockige dunkle Haare, etwas zu viel Make-up, plüschige weiße Jacke, extrem kurzer, ausgefranzter Jeans-Rock und lange schwarze Strümpfe, die bis kurz über die Knie reichten und die nackten Oberschenkel über Gebühr betonten. Ein überaus verzückender Anblick, fast schon etwas anrüchig. Das Gesicht konnte ich zunächst nur kurz sehen, denn sie stand mit dem Rücken zu mir und flunkerte laut lachend mit ihrer asiatischstämmigen Freundin. Als sie sich umdrehte, wurde ich misstrauisch, denn hinter der Schminke schien mir das Gesicht doch recht kindhaft zu sein. Auch die Beine waren verdächtig dünn. Allmählich dämmerte mir, dass dieses herausgeputze, aufreizend zurechtgemachte Wesen kaum älter als zwölf, dreizehn Jahre gewesen sein kann. Und mit dieser Erkenntnis wandelte sich meine anfängliche Neugier in tiefe Sorge. Welcher Vater, welche Eltern lassen ihre halbwüchsige Tochter in einem derart aufreizenden Outfit allein durch eine immer gefährlicher werdende Stadt wie Berlin ziehen? Also ich hätte darauf bestanden, dass sie sich etwas weniger Auffälliges anzieht. Aber was wiegt schon das Wort eines besorgten Vaters, wenn die von der Tochter angebeteten Popstars in der Stadt sind? In der Uber-Arena spielte nämlich Act-Promise, eine K-Pop-Band. Zu der wollten die beiden wohl hin, denn am S-Bahnhof Warschauer Straße stiegen sie aus.